Deutschland Schwarz Weiß - Noah Sow - TEST: Weißsein im Selbstversuch – Das Vierzehn-Punkte-Programm
Noah Sow
 

TEST:

Weißsein im Selbstversuch – Das Vierzehn-Punkte-Programm

Wahrscheinlich ist Ihnen beim bisherigen Lesen an einigen Punkten Folgendes passiert:

  1. 1)
    Sie haben sich gedacht: „Da kenne ich mich selbst sehr gut aus, da brauche ich jetzt bestimmt keine Belehrung.“
     
  2. 2)
    Sie haben sich gedacht: „Das ist so aber nicht ganz richtig.“
     
  3. 3)
    Sie haben einzelne Ihrer persönlichen Erfahrungen hinzugezogen, um sich zu vergewissern, dass das, was da steht, so nicht ganz stimmt.
     
  4. 4)
    Sie wurden ärgerlich.
     
  5. 5)
    Sie haben Ihren Ärger auf mein Buch (diese Website) projiziert, beziehungsweise auf meine Behauptungen.
     
  6. 6)
    Sie glauben, der Ärger komme nicht daher, dass Sie beurteilt und pauschal kritisiert werden, sondern von inhaltlichen Dingen.
     
  7. 7)
    Außerdem haben Sie an der Stelle, über die Sie sich aufgeregt haben, festgestellt, dass es „darum“ ja gar nicht geht.
     
  8. 8)
    Sie finden, dass jetzt mal dringend gesagt werden muss, dass Rassismus nicht bekämpft wird, indem man an Weißen herumnörgelt.
     
  9. 9)
    Überhaupt lehnen Sie es ab, so pauschal als „Weißer“ bezeichnet zu werden, weil Sie ja ein individueller Mensch sind und nicht wegen Ihrer Hautfarbe irgendeiner Gruppe zugeordnet werden können, und das soll respektiert werden.
     
  10. 10)
    Mit Rassisten lassen Sie sich nicht in einen Topf werfen, denn Sie sind keiner, das wissen Sie genau, und Sie müssen sich auch nicht fragen lassen, woher Sie das so genau wissen!
     
  11. 11)
    Sie sammeln Argumente, mit denen Sie möglichst bald beweisen können, dass das, was da steht, zum Teil die Tatsachen verdreht, am Thema vorbeigeht oder ungerecht ist.
     
  12. 12)
    Sie gehen davon aus, dass Sie Ahnung von dem Thema haben.
     
  13. 13)
    Sie glauben, dass Sie mehr Ahnung von dem Thema haben als die Autorin.
     
  14. 14)
    Und Sie wissen auch nicht, woher ich mir die Dreistigkeit herausnehme, Sie jetzt schon wieder einfach so zu beurteilen und zu tun, als würde ich Sie kennen.
     

Darf ich vorstellen: Das sind Ihre eigenen ABWEHRREFLEXE! Und genau diese Impulse sind es, die Rassismus aufrechterhalten. Über Ihre Impulse haben Sie zunächst keine Kontrolle. Aber über Ihre Ratio. Lassen Sie die jetzt bloß nicht aussteigen. Jetzt heißt es tapfer sein und dranbleiben.

Denn soeben konnten Sie für ein paar Sekunden in ein paar Zumutungen hineinschnuppern, die Schwarze Menschen in Deutschland in viel umfassenderer Form ständig erleben:

  • Beurteilung aufgrund einer „Hautfarbe“.
  • Ungefragte Zuordnung zu einer Gruppe.
  • Gleichgültigkeit gegenüber dem, wie Sie sich selbst identifizieren.
  • Die Annahme, man wisse, wer und wie Sie sind und wie Sie ticken.
  • Anhaltende Beurteilungen sogar noch, nachdem Sie Ihren Unmut geäußert haben.
  • Und die selbstverständliche Annahme, dass das Expertentum nicht bei Ihnen liegen kann.

Diese Liste von Zumutungen ließe sich noch beliebig fortführen. Aber atmen Sie nicht zu früh auf, denn das Ganze war kein „Experiment“. Ich habe nämlich in allen Punkten Recht. In Kapitel 1 des Buches „Deutschland Schwarz Weiß“ finden Sie einen ausführlichen Selbsttest, der Ihnen die Augen öffnen wird für die Mechanismen, die dem ganz alltäglichen Rassismus zugrundeliegen.